• geb. 17.02.1982 / St. Georgen im Schwarzwald / D
  • 2002 Umzug nach Berlin
  • 2003 Beginn des Studiums der bildenden Künste, Universität Potsdam
  • 2011 Abschluss des Studiums bei Prof. Meike Aissen - Crewett

 

Die Fülle und Vielfalt dieser Bilder, ihre bunte Farbigkeit, das Gewimmel unterschiedlichster Formen und Strukturen – all dies verdeckt, dass wir es hier mit einer sehr klugen, überlegten Malerei zu tun haben. Das Spontane, ja Chaotische, das den Betrachter beim ersten Hinsehen geradezu überfällt, wird auf den zweiten Blick in sehr geordnete Bahnen gelenkt. Immer wieder gibt es übergeordnete Groß-Formen, die die Kleinteiligkeit gliedern. Am sichtbarsten ist dieses Ordnungsprinzip in den konstruktivistisch-minimalistischen Gebilden, die sich überall in den Bildern finden; aber auch die expressiv-gestisch gefüllten Flächen haben eine wohlkalkulierte Aufgabe, sie sind eben das Pendant zur klaren Kontur. Sie sagen: So geht es auch.

Forster Herchenbach greift in das bis zum Rand vollgestopfte Füllhorn der Moderne, nimmt sich heraus, was er gerade braucht und arrangiert alles zu einer großen Collage. Da klingen Kandinsky, Klee und Picasso an, grüßt das Comichafte der Pop Art; Mondrians Broadway Boogie-Woogie kommt in den Sinn, ebenso die vom Jazz inspirierten Bilder des Amerikaners Stuart Davis aus den 1930er und 40er Jahren, angereichert mit einem Schuss Jackson Pollock.
Und schließlich John Cage, sowohl dessen Musikalität als auch die „komponierte“ Leere und Stille, die unsere Alltagsgeräusche zum Klingen bringen. Dem entsprechen die weißen Bilder Robert Rauschenbergs, auf denen sich die Welt schattenhaft abbildet. In diesem Sinn sind auch die Leinwände Herchenbachs eine weiße Fläche, in der sich – die Stadt Berlin spiegelt. Hier finden wir die Hektik, das Gewusel, die Vielfalt, die Gegensätze, das Unfertige und Provisorische, den Optimismus und den Rhythmus unserer Metropole, die sich von der Mauer-Stadt zum hippen Zentrum einer neuen Jugend-Bewegung gewandelt hat.

Und Forster Herchenbach, im beschaulichen Schwarzwald aufgewachsen (allerdings von Jugend an mit der Avantgarde-Sammlung Grässlin vertraut): dieser Künstler ist mittendrin. Er besorgt die Bar in einer Szenekneipe, hat als Schlagzeuger bereits drei Bands auf den Weg gebracht (auch Cage gründete ein Schlagzeugensemble!) und ist Mitorganisator des Kunstfestes „48 Stunden Neukölln“, in dem der angesagte Bezirk sich in all seinem künstlerischen und menschlichen Reichtum ausbreitet. Das birst vor Energie, folgt dem Puls und der Dynamik des Lebens. All das finden wir auch in Herchenbachs Gemälden – aufgezeichnet mit der nötigen Distanz des wachen Beobachters.
In seinen Bildern, sagt der Maler in aller Ruhe und Ausgeglichenheit, hat jede Form ihre Berechtigung. Zufall und Planung, Chaos und Ordnung, Intuition und Struktur: Diese Gegensätze sind hier aufgehoben und in einer neuen, kraftvollen Einheit zusammengefügt.

 

Text: Ernst A. Busche